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 ausstellungen

 VATERunser - unsere Götter

ausstellung zu den konzerten "VATERunser - unsere Götter" des chor:werk baden-württemberg im jahr 2016

dazu aus dem programmheft:

"Das Vaterunser ist das Grundgebet der gesamten Christenheit und wurde von Jesus Christus selbst während der Bergpredigt als ideales Gebet ohne einer öffentlichen, wortreichen, auf Außenwirkung bedachten Art des Betens zu entsprechen gelehrt. Gerade die Einfachheit, die Anbetung Gottes und Konzentration auf das Wesentliche ist

es, was dieses Gebet so innig und klar macht. Es kommt ohne Schnörkel und große Worte aus, sondern stellt die wesentlichen Bedürfnisse eines Menschen dar.

Mit dem Projekt „VATERunser - unsere Götter" versucht das chor:werk einen Bogenschlag zwischen diesem alten, schlichten Gebet und den Bedürfnissen, die dahinter stehen, zu der heutigen Zeit und den (scheinbaren) Bedürfnissen, die unsere moderne Konsumgesellschaft kennzeichnen.

In der künstlerischen Umsetzung werden die Bitten des Vaterunser aufgenommen, in die Gegenwart transportiert und in die heutige Konsumgesellschaft übersetzt. Dabei geht es in erster Linie nicht um die plumpe Verurteilung eines Lebensstils oder um das Anprangern großer profitorientierter Konzerne, sondern um die Reflexion der eigenen Bedürfnisse und Werte, um das Überdenken des eigenen Tun und Handelns und um den bewussten Vergleich mit einem simplen und klaren Wertmaßstab - dem Vaterunser. Die Frage, welchen Göttern wir ganz persönlich huldigen, bleibt dabei jedem selbst überlassen."

Der Zweite Biss

Videoinstallation

Auch in dieser Videoinstallation spielt der Apfel eine besondere Bedeutung. Zu sehen ist zunächst der bekannte Markenapfel mit dem charakteristischen Biss. Langsam sieht man auf der runden Seite des Apfels ebenfalls eine Kontur – vielleicht ein zweiter Biss – bis sich am Schluss die Kontur auflöst zu einem afrikanischen Kind mit einem Hungerbauch.

-Die Darstellung bleibt ohne Interpretation-

Link zum Video

Der falsche Gott

Acryl auf Leinwand – 100x120

Auf dem Bild „der falsche Gott“ ist auf einem knallgelben Hintergrund die Figur von Superman zu sehen, der mit seinem unnatürlich muskelbepackten Körper in einer machtvollen, herausfordernden Geste dem Betrachter gegenübertritt.

Dem gegenüber steht der krasse Gegensatz des Kopfes eines gealterten, nachdenklichen, vielleicht auch schlafenden Mannes. Diese Abbildung ist einer Radierung aus einer Bibel entnommen, die Gott am 7. Schöpfungstag – also dem Ruhetag – zeigt.

Die Superheldenkultur, die  in den letzten zehn Jahren einen massiven Aufschwung – vor Allem durch etliche, spektakuläre Comic Verfilmungen – erfahren hat, scheint die Verbildlichung einer Suche nach dem, was der Mensch eben nicht besitzt: Omnipotenz, Omnipräsenz und Omniszienz (Allmacht, Allgegenwart und Allwissen) – im Endeffekt das Göttliche. Welche Auswirkungen diese Suche, bzw. die Versuche diese Zustände zu erreichen, haben, soll hier nicht diskutiert werden. Die Darstellung soll vielmehr eine Anregung zum Überdenken der eigenen Fähigkeiten und Grenzen sein und die Frage nach dem Sinn und Wesen eines Gottes aufwerfen: Was suchen wir eigentlich?

Die Versuchung in Form einer verhüllten Hand

Leinwand, Wachs, Baumwolltuch und Lack - 60x80

Zu sehen ist auf dem fünften Werk der Ausstellung VATERunser ein starres, zerknittertes Tuch. Bei genauerer Betrachtung kann man erkennen, dass sich in der Mitte des Bildes die Kontur einer Hand, die durch das Tuch hindurch zu greifen scheint, abzeichnet.

Die Darstellung „Die Versuchung in Form einer verhüllten Hand“ wirkt bedrohlich und angsteinflößend. Die schwarze Hand, die nach dem Betrachter greift ist zwar von einem Tuch verhüllt, jedoch verstärkt dieses den Eindruck der Fremdartigkeit und Unbekanntheit lediglich: Die Assoziation mit der „Versuchung“ oder dem Bösen, die nach einem greift und festzuhalten versucht.

Doch wem gehört diese Hand? Wer ist verantwortlich für die Auswirkungen, die eine Versuchung auf oder in uns hat? Die Hand, die letztendlich nach der Versuchung greift, kann nur dem Versuchten selbst gehören.

iTempt

Apfel, verchromt in Glaskasten - 20x20x20

Die augenscheinliche Assoziation des verchromten Apfels mit dem Abdruck eines Bisses ist der dominierende Effekt der Installation „iTempt“.

Der dargestellte Apfel wurde mit einer Chromschicht überzogen und verpackt diesen. Wäre nicht der Biss, würde man nicht wissen, dass sich unter dem glänzenden Chrom ein lebender Organismus befindet, der den natürlichen Verfallsprozessen unterliegt. Durch diese optische Konservierung und Aufwertung wird der Inhalt völlig ausgeblendet.

Auch in dieser Installation ist die Unterschiedlichkeit der Verpackung und des Inhalts zentraler Punkt der Betrachtung. Die heutige Lebensmittelindustrie hat es sehr gut verstanden, vom Inhalt auf die Verpackung abzulenken. Der Grund ist einfach: Die Marge bei Lebensmitteln, die mehrfach verarbeitet sind und einen hohen Zucker- oder Fettgehalt aufweisen liegt im unteren zweistelligen, die Marge für frische Lebensmittel im mittleren einstelligen Bereich.

Mit der Darstellung soll dieser Zwist zwischen Verpackung und Inhalt aufgegriffen und über eine allzu bekannte Symbolik transportiert werden. Dabei steht der Betrachter dem Schein – einer glänzenden Chromoptik- und dem Inhalt – einem langsam verwesenden Apfel - gegenüber.

Geteiltes Reich

Wachs, Blei und Lack auf Holz – 40x50

Das Bild „geteiltes Reich“ zeigt eine glänzende, dreidimensionale Fläche, die in etwa der Form des Kontinents Afrika entspricht. Diese Fläche ist um- und eingegossen in eine rote Masse und eingefasst in einen schwarzen Holzrahmen.

Die Begriffe, mit denen in diesem Werk gespielt wird beziehen sich auf die Ausbeutung der dritten Welt – insbesondere auf den zukünftigen Abbau von seltenen Erden, also Metallen. Die Frage, die sich dahinter verbirgt, ist DIE Frage der Globalisierung in Bezug auf Konsum: Welche Verantwortung trägt der Konsument für Schäden, die durch das Konsumgut am Ort der Produktion entstehen?

So wird das auf den ersten Blick vielleicht als Etno-Bild aus einem dritte Welt Laden anmutende Kunstwerk zu einer beißenden und natürlich symbolisch überladenen Selbstkritik: Der metallene Kontinent versinkt im Blut.

Das verpackte Abbild Gottes

Acryl auf Leinwand, Baumwolltuch, Wachs und Lack – 60x80

Zu sehen ist eine Leinwand, die von einem schwarzen, schmutzigen und starren Tuch verdeckt ist und mit einem Haken an der Decke befestigt ist. Die Leinwand ist nicht sichtbar, bis auf eine kleine Ecke am rechten unteren Rand. Der Inhalt des Bildes ist unbekannt und kann aufgrund des starren Tuches nicht eingesehen werden.

Jeder von uns hat sicherlich eine bildliche Assoziation von Gott, Allah oder Jehova. Bei dem einen ist es die reinweiße Lichtgestalt, bei dem anderen der alte Mann mit Bart, bei einem Dritten vielleicht das ewig gütige Mutterwesen Gaia. Diese Abbildungen stammen u.a. aus einem religiösen Ritus und dem Wunsch, Gott näher zu sein.

Die Darstellung „das verpackte Abbild Gottes“ greift die Anweisung aus dem Vaterunser „dein Name werde geheiligt“ auf und zwingt den Betrachter zur Fokussierung auf das, was eben nicht sichtbar ist – denn das wird er nie erfahren. Was verbirgt sich unter dem Schleier? Diese Frage ist nicht mehr relevant, da sie nie beantwortet werden kann. Was bleibt also? Das ist der Name. Die nicht bildliche Assoziation mit dem Begriff Gott.

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